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Digital News Report 2026: Plattformen und KI verändern den Nachrichtenkonsum

Der Zugang zu Nachrichten verschiebt sich weiter: Nicht mehr allein die Website eines Mediums oder die klassische Nachrichtensendung bestimmen, was Menschen erreicht. Der am 16. Juni veröffentlichte Digital News Report 2026 des Reuters Institute untersucht diese Entwicklung auf Grundlage von fast 100.000 Befragungen in 48 Märkten.

Erstmals sind soziale Medien und Videonetzwerke im Durchschnitt der untersuchten Märkte der meistgenutzte Zugang zu Online-Nachrichten. 54 Prozent der Befragten verwenden diese Plattformen, während 51 Prozent die Websites und Apps klassischer Nachrichtenanbieter nutzen. Das bedeutet nicht, dass redaktionelle Angebote bedeutungslos werden. Es zeigt aber, dass immer häufiger Plattformen darüber entscheiden, welche Inhalte überhaupt sichtbar werden.

Auch KI-Chatbots entwickeln sich zu einem neuen Vermittler. Weltweit nutzen inzwischen 10 Prozent der Befragten solche Systeme für Nachrichten; im Vorjahr waren es 7 Prozent. Bei den unter 35-Jährigen liegt der Anteil bei 16 Prozent. Deutschland gehört allerdings zu den Märkten, in denen die Nutzung im Jahresvergleich nicht gestiegen ist. Besonders geschätzt wird die Möglichkeit, Rückfragen zu stellen und Zusammenhänge vertiefen zu lassen.

Parallel wächst die Bedeutung bewegter Bilder. 77 Prozent der Befragten sehen mindestens einmal pro Woche Nachrichtenvideos im Internet. Deutschland, Dänemark und die Niederlande sind die einzigen drei untersuchten Märkte, in denen Fernsehnachrichten noch gleichauf oder stärker genutzt werden. Der internationale Trend führt dennoch klar zu Videoangeboten auf Drittplattformen.

Für unabhängige digitale Medien entsteht daraus eine doppelte Aufgabe: Inhalte müssen auf unterschiedlichen Zugangswegen verständlich und auffindbar sein, zugleich darf die eigene redaktionelle Identität nicht an Plattformen oder automatisierte Zusammenfassungen verloren gehen. Klare Absender, nachvollziehbare Quellen und eigenständige Inhalte werden deshalb wichtiger – nicht weniger wichtig.

Die zentralen Ergebnisse des Reports bestätigen damit einen grundlegenden Wandel: Reichweite entsteht zunehmend außerhalb der eigenen Website. Vertrauen und dauerhafte Bindung müssen jedoch weiterhin durch glaubwürdige, sorgfältig gepflegte Angebote verdient werden.

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